Donnerstag, 2. Juni 2011

Vatertag und was dahintersteckt

Rödelheim. Für alle (meist kinderlosen), die nun mit Filzhut und Bollerwagen durch die Biergärten ziehen, sich volllaufen lassen und Vatertag feiern: Ursprünglich war dieser Tag, der das Wochenende mit Brückentag richtig schön lang macht, ein kirchlicher Feiertag und ist es noch. Seit 384 um genau zu sein. Also schon ein Weilchen.

Für Pfarrer Christian Nagel, von der katholischen Pfarrei in Mainz-Weisenau, mit dem ich kürzlich sprach, ist der Himmelfahrtstag ein Tag des Abschieds, aber auch ein Tag der Vorfreude. Zwar erinnert er an die Himmelfahrt Jesu, aber bereitet die Gläubigen zugleich auf die Ankunft des Heiligen Geistes an Pfingsten vor.

Der volkstümliche Vatertag wird in Deutschland am christlichen Feiertag Christi Himmelfahrt gefeiert, dem 40. Tag nach Ostern. Er wird auch als Männertag oder, vor allem in Ostdeutschland, als Herrentag bezeichnet. Seit 1936 ist Christi Himmelfahrt in Deutschland gesetzlicher Feiertag (in der DDR war der Tag nur bis 1966 und im Jahr 1990 ein gesetzlicher Feiertag).

Die heutige Form des Vatertagfeierns ist Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin und Umgebung aufgekommen und erfreut sich bei Männern immer noch großer Beliebtheit. Kernelement war dabei die Einweihung der Jüngeren in die Sitten und Unsitten von Männlichkeit.

Der Vatertag ist vor allem in Nord- und Ostdeutschland durch die sogenannte Herrenpartie gekennzeichnet. Die Teilnehmer (traditionell ausschließlich männlich – jung und alt) machen dabei meist eine Wanderung oder eine gemeinsame Ausfahrt, bei der oftmals viel Alkohol konsumiert wird (Vatertagstour). Dabei hat man häufig traditionelle Ausflugspunkte als Ziel oder man tourt von Gaststätte zu Gaststätte. Bei Wanderungen werden häufig Handwagen, Bollerwagen oder Schubkarren mitgeführt, um die Getränke besser transportieren zu können. Für die Ausfahrten werden meist Fahrräder (zum Teil mit Anhänger), Kremserwagen (Kutschen) oder ältere Traktoren mit Anhänger genutzt. Die Fahrzeuge oder Wagen werden dabei teilweise nur an diesem Tag genutzt und dafür speziell umgebaut, z. B. besondere Fahrradtandems oder Fahrräder mit mehr als einem Dutzend Sitzplätzen. Häufig werden die Gefährte mit Flieder und Birkenzweigen geschmückt.
Aufgrund des erhöhten Alkoholkonsums und den häufig durchgeführten Massenveranstaltungen (hierzu zählen u. a. gemeinschaftliche Ausflüge, z. B. Grillausflüge, Ausflug an den Angelsee) gibt es, wenn man die Statistik betrachtet, am Vatertag erheblich mehr Schlägereien als an gewöhnlichen anderen Tagen. Laut dem Statistischen Bundesamt steigt die Zahl der durch Alkohol bedingten Verkehrsunfälle an Christi Himmelfahrt auf das Dreifache des Durchschnitts der sonstigen Tage an und erreicht einen Jahreshöhepunkt.

Und so wird der Vatertag anderswo gefeiert.

Bulgarien: Am 26. Dezember wird der Vatertag in Bulgarien gefeiert.


Belgien:  Am zweiten Sonntag im Juni wird (ausgenommen in Antwerpen) der Vatertag in Belgien gefeiert.

Dänemark: In Dänemark wird der Vatertag am 5. Juni, der auch der Tag des dänischen Grundgesetzes ist, gefeiert.

Finnland: In Finnland wird der Vatertag am zweiten Sonntag im November gefeiert.

Italien: Im vorwiegend katholischen Italien wird der Vatertag, festa del papà, am 19. März, dem Josefstag gefeiert. Der Vatertag ist hier, anders als beispielsweise in Deutschland, kein Tag für Herrenpartien oder „Tag für Männer“, sondern ein tief verwurzelter Familienfeiertag, der als Pendant zum Muttertag gefeiert und begangen wird. Die Kinder basteln oder kaufen kleine Geschenke für den Vater, lernen Gedichte oder führen in Kindergarten und Schule kleine Stücke auf.

Irland: Auch im katholisch geprägten Irland wird der Vatertag (Fathers Day) am 19.06. gefeiert. Hierzu sind schon in den Wochen zuvor in vielen Kaufhäusern Sondertische mit speziellen Männergeschenken angerichtet.

Litauen: In Litauen wird der Vatertag am ersten Sonntag im Juni gefeiert, vier Wochen nach dem Muttertag (erster Sonntag im Mai).

Niederlande: In den Niederlanden wird der Vatertag (vaderdag) seit den 70er/80er Jahren am 3. Sonntag im Juni gefeiert. Typischerweise wird den Vätern an diesem Tag das Frühstück ans Bett gebracht und es werden typische „Männergeschenke“ überreicht (z.B. Krawatten, Socken, Zigarren, Rasierapparate, Elektronikartikel oder Selbstgebasteltes). Einige geschiedene Väter nutzen die Gelegenheit, um sich für die Bewegung Fathers 4 Justice einzusetzen.

Polen: In Polen wird der Vatertag (Dzień Ojca) am 23. Juni gefeiert.

Portugal: In Portugal wird der Vatertag Dia do Pai am 19. März gefeiert.

Rumänien: In Rumänien wird der Vatertag seit 2008 am 5. Mai offiziell gefeiert. Die Entscheidung kam im Jahre 2007 zustande, auf die Initiative der Brauerei Interbrew Romania S.A verbunden mit der Marke Bergenbier.



Russland: Der Tag des Verteidigers des Vaterlandes (russ. День защи́тника Оте́чества) ist ein gesetzlicher Feiertag in Russland und einigen anderen Teilen der ehemaligen Sowjetunion u.a. in der Ukraine. Er wird in Russland jährlich am 23. Februar gefeiert und ist seit 1993 arbeitsfrei. Heute ist der 23. Februar auch der inoffizielle Tag des Mannes als Pendant zu Frauentag am 8. März.

Schweden: Der schwedische fars dag wird am 2. Sonntag im November gefeiert. 1931 kam die Tradition aus den USA nach Schweden und wurde zunächst auch im Juni gefeiert. Doch später wurde der Vatertag auf Wunsch des nordiska handelssamfundet (nordische Handelsgemeinschaft) auf den November-Sonntag verlegt, um ihm einen dem Muttertag vergleichbaren Status zu verleihen. Auch wurde so eine erhöhte Kommerzialisierung des Feiertags erreicht.

Vatertag wird in ganz Skandinavien und Estland am gleichen Datum gefeiert, abgesehen von Dänemark, wo er am 5. Juni stattfindet.

Slowakei: Ursprünglich wurde der Vatertag in der Slowakei am Josefstag, also am 19. März gefeiert. Zwischenzeitlich wurde allerdings die amerikanische Variante adaptiert. Nun wird der Vatertag am 3. Sonntag im Juni gefeiert.

Spanien: Am 19. März feiern die Spanier ihren Vatertag El Día del Padre. Dieser Tag wurde daher ausgewählt, weil es der Joseftag, der Tag des Heiligen José (Jesu Vater), ist. In Spanien ist es üblich, Geschenke von Kindern zu bekommen, die sie meistens in der Schule gemalt oder gebastelt haben.


Ungarn: In Ungarn findet der Vatertag am 3. Sonntag im Juni statt. Allerdings spielt er in der Gesellschaft im Gegensatz zum Muttertag, der dort am 1. Sonntag im Mai gefeiert wird, und noch mehr zum Frauentag am 8. März, keine Rolle.

Südafrika: In Südafrika findet der Vatertag am 3. Sonntag im Juni statt.

In Brasilien wird der Vatertag jedes Jahr am zweiten Sonntag im August gefeiert.

Kuba: In Kuba feiert man den Vatertag (Día de los Padres) am 3. Sonntag im Juni. Dieses Datum geht auf eine Initiative der Schriftstellerin Dulce María Borrero zurück, die sich für einen landesweiten Gedenktag für die Väter einsetzte. Das erste Mal wurde der Vatertag in Kuba am 19. Juni 1938 begangen.

In den USA wird der Vatertag am 3. Sonntag im Juni gefeiert. Im Jahre 1909 brachte Sonora Smart Dodd erstmals die Idee eines „Father's Day“ auf, um ihren Vater William Jackson Smart, einen Bürgerkriegsveteranen, zu ehren. Dessen Frau war bei der Geburt des sechsten Kindes gestorben, und Mr. Smart zog das Neugeborene sowie die anderen fünf Kinder alleine auf einer Farm im Osten des Bundesstaates Washington auf. Mrs. Dodd wollte die Kraft und die Selbstlosigkeit ehren, die ihr Vater seinen Kindern entgegengebracht hatte. Der erste Vatertag wurde am 19. Juni 1910 in Spokane, Washington, beobachtet. Zur selben Zeit tauchten in verschiedenen amerikanischen Städten Vatertagsfeiern auf. 1924 unterstützte Präsident Calvin Coolidge die Idee eines nationalen Vatertags. Und im Jahre 1966 unterzeichnete Präsident Lyndon Johnson eine Proklamation, die den dritten Junisonntag zum Vatertag erklärte. Präsident Nixon erhob 1974 den Vatertag in den Rang eines offiziellen Feiertages für den dritten Sonntag im Juni.

Der Vatertag in den USA ist hauptsächlich der Tag, an dem die Kinder ihren Vätern mit Geschenken, Gedichten und Blumen begegnen. Gemeinsame Ausflüge stehen auf dem Programm und vielen, vor allem männlichen Amerikanern sind die Vatertagsausflüge und -aktivitäten mit ihren Vätern unvergessen. Darüber hinaus ist es auch ein Tag der Männer, an dem ähnlich wie in Deutschland die Vorstellung eines Männerkultes zelebriert wird.

In Venezuela wird der Vatertag jedes Jahr am dritten Sonntag im Juni gefeiert.

In der Republik China auf Taiwan wird der Vatertag am 8. August gefeiert. Dies rührt daher, dass die „Acht“ im Chinesischen ba (chin. 八, bā) ausgesprochen wird und der achte Tag des achten Monats daher in Kurzform baba heißt, was zugleich der chinesischen Aussprache für „Vater“ (chin. 爸爸, bàba) ähnelt.

In der Volksrepublik China wird der Vatertag am dritten Sonntag im Juni gefeiert.

Im Iran wird der Vatertag am Jahrestag des Geburtstages des ersten schiitischen Imams, Ali, gefeiert. Dieser Tag verschiebt sich auf Grund der islamischen Zeitrechnung und dem Mondkalender von Jahr zu Jahr.

In Japan wird der Vatertag am dritten Sonntag im Juni gefeiert. In Japan heißt dieser Tag „chichi no hi“ und ist kein gesetzlicher Feiertag.

In Südkorea gibt es keinen „Vatertag“, jedoch einen „Kindertag“ am 5. Mai, der als gesetzlicher Feiertag dazu dienen soll, dass Väter Zeit für ihre Familie haben. Obendrein gilt der 8. Mai, allerdings nicht gesetzlich, als „Elterntag“.

In Thailand wird der Vatertag Wan Phor genannt und ist ein landesweiter Feiertag. Er wird zum Geburtstag von König Bhumibol Adulyadej, dem 5. Dezember, begangen. An diesem Tag werden „hervorragende Väter des Landes“ (in wechselnder Anzahl) ausgezeichnet. Im Jahr 2004 waren es 327 Väter. Sollte der 5. Dezember auf einen Sonntag fallen, so wird der Vatertag am folgenden Montag unabhängig vom Geburtstag des Königs gefeiert.

In Australien wird der Vatertag am ersten Sonntag im September gefeiert.

In Neuseeland wird der Vatertag wie in Australien am ersten Sonntag im September gefeiert

Hab ich jetzt irgendwen vergessen?

Mittwoch, 1. Juni 2011

Neue Kita im Bahnweg schafft zwar Kapazitäten, macht aber nicht alle froh

Rödelheim. Zur Stunde eröffnet das Internationale Familienzentrum im Rödelheimer Bahnweg eine Kita mit Krippenplätzen. Mitarbeiter des Trägers hatten das Projekt am Abend im Ortsbeirat 7 vorgestellt. Demnach entstehen in dem ehemaligen Bürogebäude, in dem auch eine Sprachschule untergebracht ist, Betreuungsplätze für insgesamt 46 Kinder. Zugleich soll auch eine Tagesstätte für chronisch psychisch Kranke sowie ein Wohnprojekt für ehemals Suchtkranke in den Gebäude vom selben Träger eingerichtet werden.

Ab sofort stehen in der Kita 15 Krippenplätze für Kinder unter 3 Jahren zu Verfügung. Erwartungsgemäß sind die Plätze, weil sehr rar in Rödelheim, bereits belegt. Kapazitäten hat das IFZ aber noch in der Kindergartenbetreuung. Von den insgesamt 31 Plätzen ist erst rund die Hälfte belegt. Wer kurzfristig bedarf hat, kann sich also berechtigte Hoffnungen machen. Verteilt sind die die Gruppen so: Es gibt eine reine Krippengruppe mit zehn Kindern. Hinzu kommt eine sogenannte "altersgemischte Gruppe" mit 15 Kindern, in denen sowohl 5 Krippenkinder als auch 10 Kinder ab 3 Jahren betreut werden sollen. Die dritte Gruppe ist eine reine Kindergartengruppe für Kinder von 3 bis 6 Jahre. Ein erstes Spielgerät steht bereits. Entlang der Bahngleise soll zudem noch ein schmaler Grünstreifen hinzugepachtet werden.

Ihre Besorgnis äußerten viele Zuhörer in der Sitzung, weil im gleich Gebäude auch eine Einrichtung für psychisch Kranke und Suchtkranke entsteht. Für viele passt dies nicht zur Kita, sie sehen die Kinder durch diese Mischung bedroht. 20 ehemals Suchtkranke Menschen sollen im Zeitraum von 9 bis 17 Uhr dort eine Anlaufstelle finden. Ferner sollen 10 Appartments für psychisch Kranke entstehen, damit diese sich wieder langsam an ein normales Leben gewöhnen können. Die Bedenken der Zuhörer versuchten die Verantwortlichen des IFZ zu zerstreuen. Zum einen handelte es sich um ehemalige Suchtkranke und bei den psychisch Kranken um Menschen, die derart gefestigt sind, dass sie nicht in geschlossenen Psychiatrien untergebracht werden müssen. Zum anderen seien stets Fachkräfte vor Ort, die sich um die Patienten kümmerten und diese betreuten. Eine Gefahr für die Nachbarn oder die Kinder in der Kita gehe von diesen nicht aus.

Keine guten Nachrichten kann das IFZ für Eltern machen, die auf Hortplätze für ältere Kinder gehofft hatten. Eine solche Betreuung ist nicht vorgesehen.

Finanziert wird die Einrichtung zum Teil von der Stadt Frankfurt und durch Elternbeiträge. Die Stadt unterstützt den Umbau im Rahmen ihrer Sofortprogramms zur Schaffung von Krippenplätzen, die die alleine kaum schultern könnte. Denn ab 2013 haben Eltern theoretisch einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für unter 3-Jährige. Da kommen der Stadt Initiativen anderer Träger natürlich gelegen.

Sorgen machen die die unmittelbaren Nachbarn auch über das zu erwartende Verkehrsaufkommen. Da die Kita in einer Randlage liegt, dürfte durchaus mit Liefer- und Abholverkehr zu rechnen sein, für die jedoch keine zusätzlichen Parkplätze geschaffen wurden. Und auch, ob der Lieferverkehr die Tiefgarage nutzen kann und wird, stellten einige infrage.

Kurioses Stühlerücken - SPD muss Platz für Grüne machen

Rödelheim. Manchmal hat eine dröge Ortsbeiratssitzuung durchaus heitere Momente. So auch gestern. Grund war ein Antrag der wiedererstarkten Grünen-Franktion, doch bitte die Sitzordnung zu verändern. Begründung: Weil die stellvertretende Ortsvorsteherin Beatrix Baumann zu weit weg von ihrer Fraktion sitze, und somit kurzfristige Absprachen während der Sitzung nur schwer möglich seien, beantragten die Grünen, die Plätze einnehmen zu dürfen, die bis dato die SPD-Fraktion innehielt.

 Für alle, die noch nie dort waren: Die Sitzungsordnung sieht aus, wie ein zum Publikum geöffnetet U. Aus Zuschauersicht sitzen links die Reps, Freien Wähler und die CDU. In der langen Mitte folgt dann die Schriftführerin (seit gestern Maria Schmidt, Glückwunsch, auch!), Ortsvorsteher Christian Wernet (CDU) (seit Jahren räumlich von seiner Fraktion getrennt, bislang ohne erkennbare Nachteile für seine Fraktion) und dessen Stellvertreter. Danach macht der Tisch wieder einen rechten Winkel. Gleich vornean am Quertisch saßen bislang immer die Genossen, nach hinten zum Poblikum hin folgten Farbechte und Grüne.

Diesen Platz am Katzentisch wollten die Grünen abgeben - an die SPD. Die stellte sich etwas bockig an. Nur weil die Grünen jetzt ein gutes Wahlergebnis erzielt hätten, sah Hand-Jürgen Sasse (SPD) keinen Grund, die seit Jahren bewährte Sitzordnung zu ändern. Doch er und seine Fraktion mussten sich dem Votum der Mehrheit (CDU, Freie, Grüne) nach einer Sitzungspause beugen. Und zwar nicht, wie Christian Wernet vorschlagen wollte, zu nächsten Sitzung erst, sonder sofort. Sasse beleidigt: "Nein, das machen wir jetzt sofort." Sprachs, packte seine Unterlagen und zog gen Tischende. Nun ja.

Ortsbeirat: Kunstrasen, Spielhallen und jugendliche Politikverdrossenheit

Rödelheim. Darf sich der 1. FC Rödelheim Hoffnung auf einen baldigen Kunstrasenplatz machen? Zumindest wird der Wunsch vom zuständigen Ortsbeirat 7 unterstützt. Der brachte einstimmig einen Beschluss an die Stadtverordnetenversammlung auf den Weg, in dem er darum bittet, für kommendes Jahr einen Kunstrasenplatz in die Prioritätenliste zum Sportstättenbau aufzunehmen. Begründung: Der Kunstrasenplatz sei für die Wettbewerbsfähigkeit des Kreisoberligisten wichtig.


Eine feste mobile Toilette, wie hier in Höchst, schwebt den Linken vor.

Alle Fraktion haben einen Antrag an den Magistrat unterstützt, die Spielhallenflut in Rödelheim einzudämmen. Dafür müsste eine Bebauungsplanänderung geschehen, wie dies etwa im Stadtteil Niederursel künftig der Fall sein soll. Insbesondere auch reine und allgemeine Wohngebiete sollen demnach möglichst einbezogen werden. Eins Stellungnahme ist im Herbst möglich.

Mehr Akzeptanz für die parlamentarische Arbeit wünscht sich die SPD bei Jugendlichen. Ihr Vorschlag: Zwei jährliche Jugendsitzungen des Ortsbeirats in weiterführenden Schulen. Hintergrund für die Sozialdemokraten ist die unbefriedigende Wahlbeteiligung von Jugendlichen, wie die jüngste Kommunalwahl gezeigt habe. Die SPD möchte Schülern so eine Chance geben, die unterste parlamentarische Ebene im Rahmen des Unterrichts kennengelernt. Im Prinzip eine gute Idee, urteilten auch die anderen Fraktionen, denen der Vorstoß dennoch zu vage und zu unkonkret war. In nächster Zeit soll die Idee weiter konkretisiert und ausgearbeitet werden.

Macht es Sinn, nachts und wochenends die Ampeln an der Lorscher Straße abzuschalten? Ja, findet die Fraktion der Farbechten - und steht mit dieser Ansicht im Ortsbeirat aber relativ alleine da. Allen anderen war das Sicherheitsrisiko zu hoch. Hintergrund des Antrags: Durch die abgeschalteten Ampeln könnte die Stadt Frankfurt Strom sparen.

Eine Toilette am Spielplatz am Blauen Steg. Im Prinzip keine schlechte Idee, die die Farbechten da hatten. Denn: die einzige öffentlich zugängliche Toilette befindet sich am Kiosk am Parkeingang, rund 500 Meter vom Spielplatz entfernt. Folge: Wen das Bedürfnis packt, schlägt sich folglich in die Büsche. Deshalb plädierten die Farbechten für eine mobile Toilette, also ein Dixi-Klo, auf dem Spielplatz. Für Barbara Reuff (CDU) ein Unding: "Es ist unmöglich eine Toilette dort einzurichten, wo sich abends und nachts dort Fixer und Obdachlose aufhalten", fand sie. Ihr Fraktionskollege Alexander Zollmann bezeichnete den Vorstoß der Linken als "weltfremd". "Da kann man sich ohne viel Fantasie vorstellen, wie die nach nur drei Stunden aussieht." Wenig einladend mutmaßt er. Diese Argumente haben scheinbar auch die Genossen überzeugt. Ursprünglich geneigt, dem Antrag zuzustimmen, revidierte Thomas Fischer die Haltung seiner Fraktion. Er schlog vor, den Wunsch nach einer mobilen Toilette in den Wunsch nach einer festen Toilette umzuformulieren. Insgesamt fand der Antrag aber keine Mehrheit. Ein Vorkommnis der jüngsten Tage dürfte der CDU-Argumentation recht geben. In der Nacht zum vergangenen Samstag hatten Unbekannte das Dixiklo auf dem Spielplatz ungeworfen, das für die Rödelheimer Musiknacht aufgestellt worden war.

Einen Milieuschutz, wie er im Nordend angedacht ist - geht das auch in Rödelheim? Getreu dem Grundsatz "Gleiches Recht für alle" brachte dies die SPD ins Gespräch. Hintergrund: Investoren drohen im Nordend durch Luxussanierungen von Altbauten einen massiven Bevölkerungswandel herbeizuführen, bei dem ärmere und weniger Wohlhabende verdrängt werden, weil sie die teuren Mieten oder Wohnungspreise nicht bezahlen können. Grundsätzlich kein schlechter Ansatz, fand deshalb auch Volker Meisinger-Persch (Grüne). Jedoch kommt dieser Vorstoß in seinen Augen noch zu früh. Er schlug vor, zunächst die Pläne des Magistrats für das Nordend abzuwarten. Der SPD warf er sogar vor, dass es ihr gar nicht um die Sache gehe. Er interpretierte den Antrag als Angriff auf die schwarz-grüne Magistratskoalition.

Dienstag, 31. Mai 2011

Die Zeit verstreicht, die Unterführung kommt nicht zu Potte

Rödelheim. Schon gemerkt? Morgen ist der Mai rum, die Unterführung aber leider nicht wieder normal für Kinderwagen, Rollatoren etc. passierbar. Vielleicht passiert heute ja noch ein kleines Wunder. Mal sehen, wie viel länger gebaut werden muss. Irgendwie arrangiert man sich ja mit dem Provisorium.

Montag, 30. Mai 2011

Rödelheimer Musiknacht - Eindrücke


















LiebeBesucherinnen
und Besucher der Rödelheimer Musiknacht,

wir sind überwältigt, dass Sie unsere Aktion besucht und unterstützt haben -
gerne würden wir Ihre Fotos in unsere geplante Fotodokumentation aufnehmen und noch mehr über Ihre Eindrücke, Anregungen und Ideen erfahren - und Sie vielleicht auch schon für die nächste Musiknacht anwerben - denn in aller Offenheit : wir würden gerne weitermachen!


Also melden Sie sich mit Ihrer Kritik, Ihren Anregungen und Ideen ...............

und zwar entweder direkt hier im Blog oder
per Mail : roedelheim-west@frankfurt-sozialestadt.de oder
per Post: Nachbarschaftsbüro, Westerbachstr. 29, 60489 Ffm.
oder im persönlichen Gespräch mit einem der Beteiligten.

Herzliche Grüße
vom Organisationskomitee der Rödelheimer Musiknacht

Sonntag, 29. Mai 2011

Bäckerei Antmann sagt leise "Servus"

Rödelheim. Die Schaufensterscheiben mit Verpackungspapier ausgeklebt, in der Mitte gut sichtbar ein Brief, ein Abschiedsbrief. So sang- und klanglos hat sich am Samstag mit der Bäckerei Antmann ein weiterer Rödelheimer Traditionsbetrieb von der Bildfläche verabschiedet.

75 Jahre, so ist dort zu lesen, war der Familienbetrieb. Doch die wachsene Konkurrenz im Stadtteil - nirgendwo gibt es eine größere Bäckerdichte, hab ich manchnal den Eindruck - und vermutlich auch der Modernisierungsdruck haben die Antmanns letztlich zur Aufgabe gezwungen.

"Auch wenn es immer weniger Selbstbackende Betriebe in Frankfurt bzw. Rödelheim gibt, hoffen wir, dass Sie weiterhin in diesen Fachbetrieben ihre täglichen frischen Backwaren kaufen", schließt der Brief.

Nun, nachdem vor einigen Jahren die Bäckerei Kempf schloss, also wieder ein alteingesessener Betrieb flöten. Wer bleibt denn da noch? Die Confiserie Graff und - und das dürfte es auch schon gewesen sein - die Bäckerei Huck in der Alexanderstraße. Letztere hegt übrigens auch Abwanderungsgedanken, wie ich jüngst erfuhr. Offenbar will man die Backstube an der Westerbachstraße ansiedeln, auf Sossenheimer Grund, wohlgemerkt. Der kultige Verkauf in der Backstube, wo man beim Brötchen aussuchen aufpassen muss, dass man nicht den umherflitzenden Bäckern zu sehr im Wege steht, soll jedoch erhalten bleiben. (Gott sei's gedankt, wo würde ich sonst Kümmelstangen herbekommen?) Für die Anwohner rund um die Backstube dürfte das sicher ein Segen sein. Lieferverkehr, Arbeitsgeräusche zu nachtschlafender Zeit - all das würde dann vorbei, oder zumindest, deutlich reduziert sein.

Musiknacht, so war's! Etwas Großes für den Stadtteil

 Rödelheim. Als es noch lange nicht zuende war lag ich bereits im Bett, der Nachtwind wehte vom Spielplatz am Blauen Steg die letzten Takte Musik herüber. Die Rödelheimer Musiknacht ging erstmals über die Bühne. Und sie wird nachhallen.

Vier Stunden lang rockte, swingte, blueste der Stadtteil, überall waren Menschen unterwegs - ein Sixpack in der Hand eine Decke unter'm Arm, neugierig, ihren Stadtteil von seiner musikalischen Seite zu entdecken.

Rödelheim und Musik - ja, klar, da kommt man vermutlich am Rödelheim Hartreim Projekt und Sabrina Setlur nicht vorbei. Bislang zumindest. Von den Hiphoppern aus der Fuchstanzstraße war nix zu sehen geschweige denn zu hören. Schade, eigentlich. Und Frau Setlur? Fehlanzeige.

Aber egal, schließlich gibt es genügend andere Kräfte, gerade im alternativen, etwas härteren Segment. Überzeugend etwa die Combo "Human DNA", Foto oben. Sie hatten sich für ihren Auftritt das ideale Setting zu ihrer Musik ausgeschaut. Vor dem Kiosk im Zehntmarkweg, Rödelheims wilderen Teil des Westens, lieferten sie den perfekten Soundtrack: hart, kompromisslos, ehrlich und ein wenig gefährlich. In etwa also so, wie viele Rödelheimer, besonders aus dem östlichen Teil, diese Gegend empfinden mögen. Dass der Westen noch mehr zu bieten hat, bewiesen die Jungs und Mädels von den Hazelwood Studios in der alten Schuhmaschinenfabrik in der Westerbachstraße. Das Label, das ohnehin fast wöchentlich kleine aber feine Studiokonzerte bietet, hatte zur "Nacht der eingetretenen Türen" geladen. Keith Minor aus Wiesbaden, Folk-Songwriter machte zu später Stunde den Anfang. Schade nur, dass das Label, das einst aus Waldorf-Mörfelden den Weg nach Rödelheim fand, sich schon wieder mit Abwanderungsgedanken zu tragen scheint. Anscheinend gehen die Vorstellungen des Besitzers in Sachen Mietpreis mit den Möglichkeiten der Verleger etwas auseinander. Aber noch soll keine Entscheidung gefallen sein.

Weiter in den wohl etabliertesten Musikclub Rödelheims, das Captain's Inn in der Niddagaustraße. Hier, wo sich fast wöchentlich Musiker aus Frankfurt, aber auch von anderswo, die Klinke in die Hand geben, standen "Hendrik und Freunde" auf der Bühne, bzw. zwischen den Zuhörern. In minimaler Besetzung  - Gitarre, Bass, Schlagzeug - klampften sie Coverversionen aus drei Jahrzenten, darunter leicht verfremdete, aber gelungene Versionen von Dylan und Co. (kann man Dylan überhaupt verfremden, der spielt doch eh jedes Stück anders, aber das ist eine andere Geschichte) - Folk 2.0, wie es der Sänger ausdrückte.

 Und das Publikum hatte richtig Spaß: Im Nu klatschten und sangen sie mit, so dass es selbst die Musiker beeindruckte.  Verzückt spielten sie die Akkorde, das Publikum lieferte den Refrain, immer und immer wieder.

Eigentlich hatten wir noch bei Leo Pinkerton's reinschauen wollen, aber da war gerade der Act zuende gegangen. Wie viele Zuschauer letztlich dabei waren? Das wollte die Polizei eingangs auch von den Veranstaltern wissen, ist aber wohl kaum zu schätzen, auch wenn Heike Hecker und einige andere Helfer auf dem Fahrrad stets die einzelnen Bühnen ansteuerte, um sich einen Überblick zu verschaffen. Vielleicht soviel nur: 1500 Programmhefte waren im Vorfeld gedruckt worden, die letzten waren am frühen Abend vergriffen. Einige hatten im Vorfeld die Gelegenheit genutzt, sich das Programm aus diesem Blog herunterzuladen. Und ein ganzer Teil folgte auch nur seinem Instinkt oder ging auf Entdeckungsreise. Beeindruckt hat sicher die Bandbreite. Leider konnten wir gar nicht bei allen Orten reinhören, dafür war das Programm zu üppig und die Wege für uns - wir waren als Fußgänger unterwegs - am Ende dann doch ein wenig zu lang. Aber: Überall waren bis zum späten Abend kleinere Grüppchen unterwegs, extrem gut gelaunt und entspannt - eine tolle Stimmung. Also wenn ihr mich fragt: Die Rödelheimer Musknacht hat sich aus dem Stand in meine persönliche Top 5 der Veranstaltungen im Stadtteil katapultiert - gleich hinter dem Parkfest (2 Juli), dem Straßenfest (18. Juni) und dem Afrikanischen Kulturfest (Ende August).
Zudem hat die Musiknacht ein beachtliches Potenzial. Nicht nur, dass sicherlich im Stadtteil noch etliche musikalische Schätze zu heben sein dürften. Zudem ist es den vVeranstaltern gelungen, mit viel Engagement und vergleichsweise geringem finanziellen Aufwand etwas großartiges auf die Beine zu stellen. Wenn beim nächsten Mal noch Sponsoren hinzukommen (Banken, Possmann etc.) und noch mehr Rödelheimer ihr Herz für die Musiknacht entdecken und über ihren Schatten springen,  könnte daraus ganz schnell etwas Großes und Tolles für den Stadtteil entstehen.