Samstag, 19. Januar 2013

Viele positive Entwicklungen in Rödelheim und noch jede Menge Arbeit

Rödelheim. Glaubt man einzelnen Nörglern, befindet sich der Stadtteil Rödelheim in einer unaufhaltsamen Abwärtsspirale. Im Stadtteil aktive Bürger, vertreter von Trägern, Einrichtungen, Politik und Quartiersmanagerin Heike Hecker sehen das deutlich anders. Letztere hatte einen ausgewählten Kreis Aktiver am Samstag eingeladen, um fünf Jahre Quartiersmanagement Revue passieren zu lassen und zu überlegen, was künftig noch zu tun bleibt. Im Verwaltungsdeutsch nennt sich diese Phase "Nachsorge", was mich eher an Wundversorgung erinnert. Aber vielleicht soll es das ja auch. Schließlich ist das, was das Quartiersmanagement für den Stadtteil Rödelheim bedeutet, in der Tat so etwas wie Erste Hilfe - im sozialen Sinn.
Unterm Strich kommt die Arbeit - wen würde das auch ernsthaft wundern - gut weg. Auf einer Skala von -3 (mies) bis +3 (super) konnten die rund 30 Multiplikatoren die Entwicklung bewerten. Im Schnitt lagen die Wertungen bei +1 bis +2.
Was im Übrigen auch für fünf die fünf Unterkategorien galt: Zusammenleben, Kultur, Lebensumfeld, Lokale Ökonomie und Vernetzung/Struktur. Leichter Ausreißer nach unten war hierbei die lokale Ökonomie. Vor allem der grassierende Leerstand und hohe Mieten wirkten sich hier negativ aus. Bei den Geschäften, die durchgehalten haben, lasse sich aber teilweise eine Bereitschaft erkennen, sich zu engagieren für den Stadtteil - vor allem im Rahmen der Musiknacht - einem der absoluten Highlights in der Sparte Kultur - habe sich dies in den vergangenen beiden Jahren gezeigt.
Es wurden aber auch Dinge genannt, etwa in puncto Lebensumfeld, bei der das Quartiersmanagement machtlos ist, weil die Verantwortlung schlicht an anderer Stelle liegt. Immer wieder genannt wurde hier der Bahnhof, das Sorgenkind Nr.1 im Kiez - als Baustelle, als Bauwerk, aber auch in seinem direkten Umfeld hib- und dribbdebahn, die noch entstehen sollen. Deren bisher bekannten Planungszustände lassen aber für einige nicht unbedingt etwas gutes erhoffen - hoffentlich haben bei diesem Punkt die politischen Vertreter in der Runde die Lauscher aufgestellt.
Was bleibt in Zukunft zu tun? Auf weitere fünf Jahre hat die Stadt Frankfurt das Programm "Aktive Nachbarschaft" verlängert und es scheint so auszusehen, dass man im Römer zur Erkenntnis gelangt ist, dass derartige oder ähnlich gelagerte Projekte auch über diesen Zeitpunkt hinaus sinnvoll bleiben. Konkret für das Quartiersmanagement bedeutet das zunächst einmal, dass Geld für ein weiteres Jahr da ist, mit dem die Stelle von Heike Hecker zumindest für dieses Jahr gesicht ist, Und danach? Vielen Teilnehmern der Runde graute es bei dem Gedanken, irgendwann einmal ohne Heike Hecker oder das Stadtteilbüro auskommen zu müssen. Vor allem als Knotenpunkt, Vermitterlin, Ideengeberin, Prellbock, Anschieberin und Dickbrettbohrerin hat sich die Sozialarbeiterin in Rödelheim unentbehrlich gemacht. Das sollte auch im Römer und in der Verwaltung bitte so gesehen werden.
Zu tun gibt es jedenfalls nach wie vor genug. Die Anregungen der Teilnehmer lassen sich in vier Themengebiete zusammenfassen:
Räume: Auch wenn es einigen am liebsten wäre, Rödelheim bekäme ein multifunktionales Bürgerhaus - diese Anregung war mit Sicherheit die realitätsfernste. Klar, es ist ein Bedarf an Räumen da, um sich kurzfristig oder dauerhaft zu treffen, jedoch zeigte die Diskussion auch: Es gibt durchaus noch Räume - bei Gemeinden oder Institutionen - die nutzbar wären, wenn dies bekannt wäre. Ein entsprechendes Raummanagement könnte da vielleicht helfen. Aber vielleicht freut sich auch der eine oder andere Gastwirt, wenn man dies in seiner Kneipe täte - der positive Nebeneffekt auf den Erhalt dieser Gastronomie wäre ebenfalls gegeben. Auch ein Mutter-Kind-Café, wie angeregt, wäre sicherlich für Rödelheim eine Supersache. Jedoch wer soll das wirtschaftliche Risiko dafür tragen, wenn der Laden nicht läuft? In Kalbach kann man seit kurzem davon ein Lied singen.
Angebote weiter entwickeln: Rödelheim hat bereits ein breites Angebot an Aktivitäten - durchaus auch für verschiedene Altersgruppen. Jedoch ist diese auch ausbaufähig, etwa speziell für Senioren, aber auch für Mädchen. Auch in Sachen Partizipation bei Jugendlichen, also Teilhabe am Leben im Kiez - wird Nachholbedarf gesehen.  Der Grundgedanke: Engagement im Stadtteil wecken und damit nicht nur die Kids von der Straße holen, sondern zugleich die Aktiven vom Morgen heranziehen.
Bahnhof: Egal was Bahn und Stadt dort noch anstellen, letztlich leben damit müssen die Bürger drumherum. Darum wurde hier breit der Wunsch geäußert, die Bürger in die weiteren Prozesse mehr einzubeziehen.
Wie geht es weiter: Auch ohne Quartiersmanagement sollte es ja irgendwie weitergehen, will man das Erreichte nicht leichtfertig wieder herschenken. In Soziologensprech nennt sich dies Verstetigung. Was könnte also an Stelle des Stadtteilbüros stehen. Der vielleicht zentralste Punkt des Ganzen, aber auch der, der bislang noch nicht angedacht worden ist. Aber: noch sind zwischen einem und fünf Jahren Zeit, sich über geeignete Strukturen Gedanken zu machen. Ein Verein vielleicht im Sinne eines Stadtteilverein kam da einigen in den Sinn.
Ein Vorteil sicher wäre: Es wäre eine Institution vorhanden, der gebündelt beispielsweise in Kontakt zu anderen Akteuren (Politik, Verbände) treten könnte. Kräfte würden gebündelt, Knowhow verknüpft. Doch ist das gewollt? Viele Bürger sind gerade dem Quartiersmanagement so zugetan, weil das Engagement keine festen Strukturen verlangt, oder weil es eher projektbezogen gesehen wird. Und eines wäre in Zukunft ebenfalls sinnvoll: Darüber nachzudenken, wie man auch den östlichen Teil stärker strukturell einbinden könnte.