Samstag, 14. März 2015

Kreidebotschaften für den Frieden am Rödelheimer Bahnhof




















Rödelheim. "Du bist wundervoll!"steht in großen, bunten Kreidelettern auf dem tristen Grau der Bahnhofsunterführung. Von den Unterkanten der Treppenstufen prangen dutzende Smileys: runde Smileys, Smyleys mit Eierkopf und welche, die frech grinsend die Zunge herausstrecken. Zum zweiten Mal hatten sich heute die Gruppe "Kreidebotschaften für den Frieden" den Rödelheimer Bahnhof vorgenommen, um eine ordentliche Portion gute Laune zu verbreiten.

Seit einem knappen halben Jahr gibt es die Gruppe auf Facebook. 30 Mitglieder zählt sie bislang, aber es werden stetig mehr. Um 14 Uhr hatten sie sich über das soziale Netzwerk verabredet. Und pünktlich waren sie da. Von mehreren Seiten kommen sie, fünf, sechs junge Menschen; eine herzliche Umarmung und ein Lächeln zur Begrüßung; Kurz die großen Plastikboxen mit den Pflasterkreiden auf die Stufen stellen, noch schnell die Seifenblasenmaschine geladen und ab die Post. Mission: Gute Laune verbreiten.

"Viele Leute laufen mit heruntergezogenen Mundwinkeln herum und starren nur auf ihr Smartphone",sagt Conii, eine der Gründerinnen der Initiative. "Diesen Leuten wollen wir ein wenig gute Laune machen." Und die Gute-Laune-Kur wirkt sofort.Fast alle Passanten, die durch die Unterführung kommen, bleiben stehen, halten inne, staunen und - lächeln. Es sind zunächst Kinder die spontan fragen, ob sie auch mitmalen dürfen. "Klar!", lautet die Antwort.

Einige der Gruppenmitglieder haben sich auf einem Friedensworkshop an der Weseler Werft im Ostend kennengelernt. Manwar sich flott sympathisch und überlegte, welche gemeinsame Aktion man wohl gemeinsam starten könnte. So kam man auf die Idee mit den Smileys, erzählt Conii.

Und die Botschaft kommt an. Einmal habe ein Passant gefragt, was das denn bringen solle. "Ichhabe dann angefangen, ihm von Liebezu erzählen", erinnert sich Conii. Man diskutierte eine Weile. Am Ende griff der Passant selbst zu Kreide. Gute Laune ist eben ansteckend.

Wohl auch deshalb gab es für die Gute-Laune-Aktivisten noch nie Ärger, wurden sie noch nie von einem Ort vertrieben, an dem sie ihre tausendfachen Liebesbotschaften dem großen, aber vorbeieilenden Publikum überbrachten. Einziger Nachteil: die Kreidebotschaften sind nicht für die Ewigkeit. Ein Regenschauer und die bunte Pracht ist weg; flüchtig, wie ein Lächeln oder ein kurzer Glücksmoment - der jedoch das Herz noch lange über den Moment hinaus zu wärmen vermag. Schöne Aktion!

Und nennt mir mal einen, der in diesen unruhigen Zeiten nicht ein wenig Frieden gebrauchen kann.